
Wie ich zu dem wurde, was ich immer schon war.
Ich war neun Jahre alt, als ich nach Amerika kam. Drei Jahre verbrachte ich mit meiner Familie dort, in einer Zeit, die mich prägte wie keine andere. Die Kultur, die mich umgab – diese Mischung aus Aufbruch, Freiheit, Spiritualität und dem tiefen Respekt der indigenen Völker für alles Lebendige – legte etwas in mir an, das Jahrzehnte brauchte, um sich zu entfalten.
Besonders die Traumfänger faszinierten mich. Diese kunstvollen Gebilde, die Träume filterten und beschützten. Ich ahnte nicht, dass ich selbst eines Tages einer werden würde.
Die Jahre danach verliefen, wie Leben eben verlaufen. Ich arbeitete zehn Jahre in einer Laufbahnberatung, erfüllte meine Pflichten, fand meinen Weg durch den Alltag. Doch es gab Momente, die anders waren. Momente, in denen ich mit Frauen sprach und plötzlich eine besondere Energie im Raum war. Wenn sie von ihren heimlichen Wünschen erzählten, von dem, was sie eigentlich tun wollten, dann leuchtete etwas auf in ihren Gesichtern.
Diese Augenblicke zogen mich magisch an. Ich merkte, dass ich dafür lebte – für diese kurzen Sekunden, in denen eine Frau ihre innere Wahrheit berührte und aussprach.
Aber erst mit 55 verstand ich wirklich, was das bedeutete. Die Erkenntnis kam nicht dramatisch, sondern eher wie ein langsames Aufwachen. Als würde ich Puzzleteile zusammensetzen, die ich mein ganzes Leben lang gesammelt hatte. Die Erinnerungen an Amerika. Die Faszination für den Traumfänger. Diese besonderen Momente mit anderen Frauen, in der Laufbahnberatung und in meinem damaligen Sidebusiness.
Plötzlich ergab alles einen Sinn: Ich selbst bin ein Traumfänger. Nur dass ich aus Fleisch und Blut bin, nicht aus Holz, Federn, Perlen und Fäden.
Hier wird meine Geschichte anders als die traditionelle Erzählung.
Der klassische Traumfänger fängt die bösen Träume ein und lässt die Guten durch. Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich fange die guten Träume – die Berufungsträume meiner Kundinnen. Jene kostbaren Sehnsüchte, die im Alltag so leicht verloren gehen. Die unter "Das ist unrealistisch" und "Dafür bin ich zu alt" begraben werden.
Diese Träume sind oft kaum mehr als ein Flüstern. Ein vages Gefühl, dass da noch etwas anderes sein könnte. Eine Ahnung von einem Leben, das mehr ist als Pflichterfüllung. Meine Aufgabe ist es, dieses Flüstern hörbar zu machen. Es festzuhalten, bevor es wieder verstummt.
Ich bin eine lebendige Traumfängerin. Ich schaffe einen Raum, in dem sich zeigen darf, was sonst verborgen bleibt.
Wenn eine Frau zu mir kommt, bringt sie oft eine Mischung aus Sehnsucht und Resignation mit. Sie spürt, dass da mehr sein könnte, weiß aber nicht, wie sie es greifen soll. Oder sie traut sich nicht, es laut auszusprechen.
Ich stelle Fragen. Nicht die üblichen Fragen nach Qualifikationen oder Karrierezielen. Sondern Fragen, die tiefer gehen. Die erkunden, was wirklich wichtig ist. Die Raum lassen für das, was noch keine Form hat.
Und dann kommt dieser Moment – er kommt immer, früher oder später – wo etwas durchbricht. Wo eine Frau plötzlich klar sieht, was sie wirklich will. Wo sie es ausspricht, manchmal zögernd, manchmal mit fester Stimme: "Das ist es. Das will ich tun."
Die Veränderung ist spürbar. Im Gesicht. In der Körperhaltung. In der Art, wie sie atmet. Als würde eine Last abfallen. Als würde sie endlich nach Hause kommen zu sich selbst.
Das sind die Momente, für die ich lebe.
Meine Arbeit ruht auf verschiedenen Säulen. Jede für sich kraftvoll, zusammen ein Geflecht, das trägt.
Da sind die modernen Coachingmethoden – bewährte Techniken, die Klarheit schaffen und Strukturen geben. Sie bilden das Fundament, auf dem wir aufbauen können. Ich bin diplomierter systemischer Coach.
Aber Berufung ist mehr als Strategie und IKIGAI. Sie berührt tiefere Schichten. Deshalb arbeite ich auch zusätzlich mit Metaphysik. Die Astrologie zeigt mir die kosmischen Muster, in die ein Leben eingewoben ist. Das Human Design offenbart die energetische Blaupause einer Frau, wie sie funktioniert, was sie braucht, wo ihre natürliche Autorität liegt. Die Gene Keys öffnen Türen zu verborgenen Gaben und Schatten.
Die Chakra-Arbeit hilft mir zu verstehen, wo Energie fließt und wo sie stockt. Oft sitzt eine blockierte Berufung nicht im Kopf, sondern im Solarplexus. Oder im Wurzelchakra, wo die Existenzängste wohnen. Wenn wir dort arbeiten, löst sich oft mehr als mit tausend Gesprächen.
Und dann ist da die trauma-orientierte Perspektive. Weil Träume nicht nur durch Zweifel begraben werden, sondern manchmal auch durch alte Verletzungen. Durch Erfahrungen, die uns gelehrt haben: "Sei nicht zu viel. Sei nicht zu wenig. Sei bloß nicht du selbst." Trauma-sensibles Arbeiten bedeutet, diese Wunden zu respektieren, während wir neue Wege erschließen.
Die weiblichen Archetypen – die Weise, die Kriegerin, die Liebende, die Wilde – sie zeigen uns die vielen Facetten dessen, was es bedeutet, eine Frau zu sein. Oft haben wir nur Zugang zu einem oder zwei Archetypen und verleugnen die anderen. Berufung aber braucht oft alle: die Weisheit, die Kraft, die Hingabe, die Freiheit.
Märchen und Mythen machen auf einer anderen Ebene sichtbar, was Ziel oder Blockaden sind. Ich liebe die Arbeit damit, weil beide Hirnhälften angesprochen werden und nicht nur die Analytische die Führung übernimmt.
All diese Werkzeuge sind für mich keine getrennten Disziplinen. Sie fließen ineinander, ergänzen sich, sprechen miteinander. Ich wähle intuitiv, was eine Frau gerade braucht. Manchmal ist es ein Blick ins Chart. Manchmal eine Atemübung. Manchmal einfach nur die Frage: "Was würde die Wilde in dir jetzt tun?"
Meine Arbeit ist kein Mentorin im klassischen Sinne. Ich gebe keine Ratschläge, keine Fünf-Schritte-Pläne. Ich bin keine Mentorin, die sagt: "Mach es so wie ich."
Was ich tue, ist einfacher und gleichzeitig komplexer: Ich bin präsent. Ich höre zu, wirklich zu. Ich halte den Raum, während eine Frau ihre eigene Wahrheit findet. Ich ermutige sie, dem zu vertrauen, was in ihr aufsteigt.
Manchmal bedeutet das, Geduld zu haben. Berufungsträume zeigen sich nicht auf Kommando. Sie brauchen Sicherheit, Vertrauen und Zeit. Manchmal bedeutet es auch, Unbequemes anzusprechen. Die Ängste zu benennen, die im Weg stehen. Die Glaubenssätze zu hinterfragen, die uns klein halten.
Und immer bedeutet es, zu glauben. Daran zu glauben, dass in jeder Frau etwas Einzigartiges steckt, das in die Welt gebracht werden will und auch gelebt werden kann.
Manche könnten sagen: Mit über 50 die eigene Berufung zu finden, ist spät. Ich sehe es anders.
All die Jahre davor waren nicht verloren. Sie haben mich gelehrt, was ich jetzt brauche, um andere zu begleiten. Die Umwege, die Irrwege, die Zeiten der Unsicherheit, sie alle sind Teil meiner Weisheit geworden.
Ich kann Frauen durch ihre Zweifel begleiten, weil ich selbst gezweifelt habe. Ich kann sie ermutigen, ihren Weg zu gehen, weil ich weiß, wie schwer das ist. Ich kann das Kostbare in ihren Träumen erkennen, weil ich gelernt habe, es in meinem eigenen zu sehen.
Die Samen, die in meiner Kindheit gelegt wurden – sie haben die Zeit gebraucht, um zu wachsen. Und all die Werkzeuge, die ich über die Jahre gesammelt habe, von klassischem Coaching bis zu Ancient Wisdom, sie alle fügten sich zusammen wie die Fäden eines Traumfängers. Jetzt tragen sie Früchte.
Ich träume von einer Welt, in der Frauen nicht jahrzehntelang warten müssen, bevor sie ihrem inneren Ruf folgen. In der wir uns gegenseitig ermutigen statt uns gegenseitig klein zu halten. In der Berufung kein Luxus ist, sondern eine Selbstverständlichkeit.
Jede Frau, die ich begleite, ist ein Schritt in diese Richtung. Jeder Berufungstraum, der gefangen und gelebt wird, verändert nicht nur ein individuelles Leben. Er sendet auch ein Signal an andere: Es ist möglich. Du darfst. Du kannst.
Vielleicht spürst du beim Lesen ein leises Echo in dir. Ein "Ja, das kenne ich." Vielleicht ist da ein Traum, den du schon lange mit dir herum trägst. Oder eine Ahnung, dass es noch etwas anderes gibt als das, was du gerade tust.
Ich bin hier, um dir zu sagen: Dieser Traum ist real. Diese Ahnung ist berechtigt. Und es ist nie zu spät, ihm zu folgen.
Als Berufungs-Traumfängerin ist es meine Aufgabe, diese kostbaren Träume festzuhalten. Sie sichtbar zu machen. Sie zu schützen, während sie wachsen. Und dich zu begleiten, während du sie lebst.
Denn das Leben ist zu wertvoll, um es mit Kompromissen zu verbringen. Zu kurz, um immer nur vernünftig zu sein. Zu kostbar, um am Ende zu sagen: "Hätte ich doch..."
Lass uns deinen Berufungstraum fangen – bevor er davonfliegt. Damit er endlich Wurzeln schlagen kann.
Jeder Traum, der gelebt wird, macht die Welt ein Stück wacher.


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